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kereng

Vor gar nicht so langer Zeit hat mir noch ein Kreationist erzählt, der Archaeopteryx sei ein richtiger Vogel gewesen, mit vielen Merkmalen, die bei Dinosauriern nicht vorkommen.

Ein Beispiel dafür war das Brustbein, das bei Vögeln bekanntlich ein flacher Knochen mit einem darauf senkrecht stehenden Kiel ist, der zur Befestigung der Flugmuskulatur dient. Diese Information war aber schon veraltet, weil sich das Brustbein des Archaeopteryx als Irrtum herausgestellt hatte.

Die von Wellnhofer als Brustbein beschriebene Struktur hat sich allerdings nach neueren Untersuchungen (Tischlinger 2005) als Teil des Rabenbeins erwiesen. Die möglicherweise doch recht guten Flugfähigkeiten bleiben dabei allerdings erhalten, da das Brustbein wohl als verknorpelte Struktur vorhanden war. (Wikipedia)

Jetzt las ich von einer Dinosauriergruppe, die ein gekieltes Brustbein hatte, aber gar nicht fliegen konnte: Alvarezsaurier. Deren kurze aber kräftige Arme haben einen besonders starken Finger und sehen eher nach Grabwerkzeugen aus als nach Flügeln.

Da sie in der späten Kreidezeit lebten, war immerhin die Möglichkeit gegeben, dass sie von Vögeln abstammten und das Brustbein behalten aber die Flügel verloren hätten. Aufgrund diverser Merkmale konnten die Fachleute dies aber ausschlißen.

Heute (!) wurde Haplocheirus sollers beschrieben, ein Alvarezsaurier, der im Jura lebte, 60 Millionen Jahre vor den übrigen Mitgliedern der Familie. Sein Arm ist so kräftig, wie es für Alvarezsaurier typisch ist, aber seine Hand ist nicht ganz so spezialisiert und der erste Finger ist der längste anstatt dem mittleren.

Damit ist mal wieder eine Lücke in der Abstammung einer Dinosaurierguppe geschlossen. Vögel sind Dinosaurier, aber Alvarezsaurier stammen weder von Vögeln ab, noch umgekehrt.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Alvarezsauria
Archosaur Musings: The wonderfully weird alvarezsaurs
Archosaur Musings: Guest post: A brief history of Alvarezsaur research
Archosaur Musings: Guest post: Haplocheirus – the skilful one

edit 30.1.2010, weitere Links
Newly Described Bird-like Dinosaur Predates Archaeopteryx
Bild der Wissenschaft: Dino zeigt Kralle
Der Standard: Als die Dinos Federn kriegten

Die Entwicklung der Landwirbeltiere (Tetrapoden) schien gut belegt zu sein. Gerade vor einer Woche habe ich Tiktaalik als Musterbeispiel für Übergangsfossilien angeführt. Und nun wurden in Polen Fußspuren von Tetrapoden gefunden, die knapp 20 Millionen Jahre zu alt sind, um in das zeitliche Schema zu passen.

Damit büßt Tiktaalik zwar seinen Status als Übergangsfossil nicht ganz ein, aber es wird viel unwahrscheinlicher, dass er der Vorfahre aller Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Vögel ist. Es ist immer noch möglich, dass der Verursacher der Fußspuren ausstarb und die Vierbeinigkeit 20 Millionen Jahre später nochmal erfunden wurde.

Die Fachleute bevorzugen allerdings die Hypothese, dass die ganze Entwicklung sich so abgespielt hat, wie man bisher dachte, bloß eben 20 Millionen Jahre früher. Auch in diesem Szenario würde Tiktaalik als wenig veränderter Nachkomme des tatsächlichen Urahns der Tetrapoden ein Übergangsfossil bleiben. Man geht davon aus, dass die Elpistostegalia lange Zeit unverändert neben den aus ihnen hervorgegangenen Vierbeinern überlebt haben.

Die Kreationisten mögen jubeln, dass die Abstammungskette von Fischen zu Tetrapoden nun komplizierter geworden ist, aber dann müssen sie auch zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit, jede Tierart als Fossil wiederzufinden, doch gering ist, denn sonst hätte man von dem 395 Millionen Jahre alten Tetrapoden ja auch Knochen finden müssen.

Nach der Meinung von Harun Yahya hätten die Fußspuren eigentlich gar nicht bis in die Nachrichten gelangen können, denn er behauptet ja, problematische Funde würden von den Evolutionisten versteckt. Tatsächlich hat Per Ahlberg den Finder Grzegorz Niedzwiedzki gebeten, die Veröffentlichung zu stoppen, aber nicht, weil er die Entdeckung verheimlichen wollte, sondern weil er die Zehenabdrücke erkannt hatte und verhindern wollte, dass sie als Flossenabdrücke dargestellt werden.

Ein besonders erstaunlicher Aspekt von Tiktaalik war, dass Neil Shubin gezielt in 375 Millionen Jahre alten Ablagerungen eines Flussdeltas nach Übergangsfossilien suchte und ihn dort fand. Bei den Fußspuren von Zachelmie ist es ganz anders. Man fand sie unerwartet in eigentlich zu alten Ablagerungen einer Meeresküste.

Es besteht also die Gefahr, dass wenn man nur dort sucht, wo man Funde erwartet, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung eintritt.
Eine anderer Fehlschluss ist, anzunehmen, dass bestimmte Tiere nur dort gelebt haben, wo man Fossilien von ihnen findet. Im vorliegenden Fall sind Flussdeltas einfach besser für die Fossilbildung geeignet als Meeresküsten, und deshalb hat man versteinerte Knochen auf der Ellesmere-Insel gefunden und nicht in Zachelmie.

Dieser Gedanke lässt sich auch auf Vormenschen übertragen. Man kennt nur wenige Fundgebiete, aber vielleicht lebten auch welche in Gegenden mit schlechteren Voraussetzengen für Versteinerung. Vorfahren der Schimpansen hat man so gut wie gar nicht gefunden, weil ihr bevorzugter Lebensraum, der Regenwald, kaum Fossilien entstehen lässt.

Links:
spiegel.de
dailymail.co.uk
guardian.co.uk
scienceblogs.com/notrocketscience
scienceblogs.com/laelaps
pandasthumb.org
whyevolutionistrue
summerwino
nationalgeographic.com

Über endogene Retroviren (ERV) habe ich schon so viel geschrieben, dass es für eine Kategorie reicht.

Nun wurden erstmals virale Gene in unserer DNA nachgewiesen, die es ohne eigene reverse Transkriptase ins Wirtsgenom geschafft haben. Sie liehen sich diese von LINEs aus, also von transposablen Elementen, die durchs Genom vegabundieren.

Es handelt sich um vier Kopien das Nucleoprotein-Gens (N) eines Bornavirus. Diese Virenfamilie ist nach der deutschen Stadt Borna bei Leipzig benannt, wo sie anno 1885 Kavalleriepferde befiel.

Zwei der Kopien sind tote Pseudogene, die beiden anderen werden noch zu Proteinen transkribiert, von denen anscheinend keine schädlichen oder nützlichen Auswirkungen bekannt sind.

Nicht nur Menschen sondern die meisten der untersuchten Säugetiere haben solche Bornaviren-Gene. Bei Erdhörnchen liegt die Infektion etwa 10 Millionen Jahre zurück, bei Menschen, Schimpansen und Orang-Utans 40 Millionen Jahre.

Folgerichtig liegen diese Gene bei den Menschenaffen an übereinstimmenden Positionen. So eine Verteilung viraler Gene hatte ich in meiner Serie über ERV den einfachen Beweis genannt, weil dadurch die gemeinsame Abstammung bewiesen wird.

Die Veröffentlichung in Nature habe ich nicht vollständig gelesen sondern nur die kostenlose Zusammenfassung. Meine übrigen Informationen kommen von den ScienceBloggern Ed Yong und Abbie Smith.

Übergangsfossilien gibt es reichlich, auch wenn die Kreationisten das nicht wahrhaben wollen.

In diesem Blog-Eintrag stelle ich einige vor, die erst vor kurzem gefunden wurden.

Artikel ganz lesen

Haeckels Embryos

20.12.2009

Karl Ernst von Baer

Karl Ernst von Baer schrieb an Charles Darwin, wie erstaunlich ähnlich sich Wirbeltierembryos sehen. Er hatte versäumt, zwei Gläser mit in Alkohol konservierten Embryos zu beschriften, und konnte sie nun nicht mehr zuordnen:

Ich kann absolut nicht sagen, zu welcher Klasse sie gehören. Es können Eidechsen, kleine Vögel oder sehr junge Säugetiere sein, so vollständig ist die Gleichheit in der Form des Aufbaus von Kopf und Rumpf bei diesen Tieren.
Zitat nach Wikipedia

Die Tatsache, dass sich Wirbeltierembryos in einem frühen Stadium stark ähneln (Baersche Regel), wurde von Darwin korrekt als Hinweis auf die gemeinsame Abstammung interpretiert. Von Karl Ernst von Baer, der Darwins Evolutionstheorie ablehnte, stammen laut Wikipedia auch diese Zeichnungen (vor 1840):

Moment mal, wird da mancher denken, sind das nicht die berüchtigten Embryo-Zeichnungen von Ernst Haeckel? Fast.

edit 16.1.2010: Das obige Bild wurde in Wikipedia fälschlich K.E. von Baer zugeordnet. Es handelt sich wahrscheinlich um die Version von Romanes, bloß ohne Beschriftung.

Von Ernst Haeckel stammt diese Version (1874):

Am bekanntesten ist wohl die Version, die George Romanes 1892 von Haeckel kopierte.

Die Biogenetische Grundregel

Haeckel übernahm nicht bloß von Baers Embryonentafel sondern baute auch die Baersche Regel zur Biogenetischen Grundregel aus: Die Ontogenese rekapituliert die Phylogenese.

Das heißt, das einzelne Tier wiederholt in seiner Entwicklung die Stammesgeschichte seiner Art. Ein Säugetier würde also ein Einzeller-, ein Fisch- und ein Amphibienstadium durchlaufen, bevor die Säugetier-typischen Merkmale auftauchen. Diese strenge Auslegung der Regel wird heute von allen Entwicklungsbiologen abgelehnt, aber einzelne Organe sind beim menschlichen Embryo tatsächlich zunächst wie beim Fisch. Bei Wikipedia gibt es Beispiele.

Haeckels Fälschungen und sein Geständnis

In PZ Myers' Blog Pharyngula kann man lesen, dass sich die Fälschungsvorwürfe nicht auf die bekannten Embryonentafeln beziehen, sondern auf Abbildungen der Embryos von Hund, Huhn und Schildkröte, für die Haeckel dreimal denselben Holzschnitt verwendete. Das ist vielleicht der einzige Fall, in dem man Haeckel absichtliche Schummelei vorwerfen könnte.

Aber auch in anderen Fällen hat er unbekannte Details in seinem Sinne ergänzt, weggelassen, was ihm unwichtig erschien, und hervorgehoben, was seine Theorien bestätigte. Im englischen Wikipedia wird ein frisierter Vergleich von Hunde- und Menschenembryos gezeigt.

Ein gewisser Hugo C. Jüngst erwähnt im Jahre 1910 ein Bild mit Affen als Beispiel für eine Fälschung. Er schreibt dazu:

Dass es sich bei der fraglichen Erklärung um die wiederholt erhobene Beschuldigung handelt, Haeckel's Embryonenbilder, in denen er die lückenlose Entwicklung des Affen vom Menschen bildlich darstellte, seien gefälscht, wurde schon angedeutet.
(Quelle caliban.mpiz-koeln.mpg.de)

Dann zitiert Jüngst Haeckels "Entschuldigung":

Um dem ganzen wüsten Streite kurzerhand ein Ende zu machen, will [ich, Haeckel] nur gleich mit dem reumütigen Geständnis beginnen, daß ein kleiner Theil meiner zahlreichen Embryonenbilder (vielleicht 6 oder 8 vom Hundert) wirklich (im Sinne von Dr. Braß) "gefälscht" sind - alle jene nämlich, bei denen das vorliegende Beobachtungsmaterial so unvollständig oder ungenügend ist, daß man bei Herstellung einer zusammenhängenden Entwicklungskette gezwungen wird, die Lücken durch Hypothesen auszufüllen und durch vergleichende Synthese die fehlenden Glieder zu rekonstruieren.
(selbe Quelle)

Haeckel antwortet in Sandalion, dass seine "Entschuldigung" keinesfalls ernst gemeint war:

Herr Jüngst hält also mein "Reumütiges Geständnis" (a. a. O.) für ernst, und sieht nicht, daß es rein ironisch  ist - was aus dem ganzen Zusammenhang sich sofort ergibt und was jeder klar denkende Leser erkennen muß.
(Quelle caliban.mpiz-koeln.mpg.de)

Zu seiner Verteidigung zitiert Haeckel Professor Carl Rabl (Leipzig) (in der Frankfurter Zeitung vom 5. März 1909):

Von Fälschung und Betrug kann nie und nimmer die Rede sein; davon könnte nur gesprochen werden, wenn absolut naturgetreue Abbildungen zu anderen Schlüssen führten, als die Haeckelschen Schemata; dies ist aber nicht der Fall. Im Laufe der letzten 30 Jahre sind viele Tausende von Embryonen der verschiedensten Wirbeltiere durch meine Hände gegangen, und ich erkläre, daß sich Haeckels phylogenetische Deduktionen durch absolut naturgetreue Bilder weit besser und überzeugender beweisen ließen, als durch seine eigenen Schemata.
(selbe Quelle)

Haeckels Einfluss auf Darwin und Hitler

Selbstverständlich kannte Darwin Haeckel, aber der Einfluss war eher einseitig. Während Haeckel Darwins Evolutionstheorie begeistert aufnahm und in Deutschland bekannt machte, ist von Haeckels Gedanken nichts bei Darwin wiederzufinden. Die Argumentation der Kreationisten, dass gefälschte Zeichnungen von Haeckel die Grundlage der Evolutionstheorie bilden ("He relied especially on Ernst Haeckel, a German biologist", Dembski), ist völlig aus der Luft gegriffen.

Eine andere Behauptung der Kreationisten, Hitler hätte seine rassistischen Vorstellungen von Haeckel und von der Evolutionstheorie hergeleitet, ist ebenso unhaltbar. Haeckel taucht sogar 1935 in einer Liste der verbotenen Bücher auf:

6. Schriften weltanschaulichen und lebenskundlichen Charakters, deren Inhalt die falsche naturwissenschaftliche Aufklärung eines primitiven Darwinismus und Monismus ist (Häckel).

Hitler hat tatsächlich die Evolutionstheorie zur Begründung der Nationalsozialistischen Rassenhygiene herangezogen, aber dazu musste er sie missverstehen. In Mein Kampf spricht er von "dem Willen der Natur zur Höherzüchtung des Lebens überhaupt" und widerspricht sich wenig später selbst:

Denn da das Minderwertige der Zahl nach gegenüber dem Besten immer überwiegt, würde bei gleicher Lebenserhaltung und Fortpflanzungsmöglichkeit das Schlechtere sich so viel schneller vermehren, daß endlich das Beste zwangsläufig in den Hintergrund treten müßte.

Das ist das Gegenteil der Evolutionstheorie. Hitler wollte nicht, dass man dem Zufall freien Lauf lässt und zusieht, wie sich sich das Geeignetste durchsetzt, sondern er wollte, dass sich nur die Menschen vermehren, die die Merkmale der seiner Meinung nach besten Rasse aufweisen.

Das entspricht der Tierzucht und bleibt, da es sich nur auf Menschen bezieht, im Rahmen der von den Kreationisten bestätigten "Mikroevolution". Zudem ist der Gedanke, dass die Evolutionstheorie falsch sei, weil sie zum Nationalsozialismus geführt habe, ein non sequitur oder genauer ein Argumentum ad consequentiam.

Haeckels Embryos in modernen Lehrbüchern

Ich erinnere mich, dass im Biologieraum meines Gymnasiums Haeckels Embryonentafel im Großformat hing. Das Discovery Institute wirft den Schulen vor, weiterhin Lehrbücher mit Haeckels gefälschten Zeichnungen zu verwenden.

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Miller und Levine ersetzen die Zeichnungen in ihrem Lehrbuch durch Fotos. PZ Myers erkennt im Lehrbuch von Starr & Taggert (2001) durchaus Haeckels Zeichnungen wieder, aber findet das nicht schlimm, weil sie nicht falsch sondern nur ungenau sind:

The fish in particular isn't very accurate.

Insbesondere ist der Fisch nicht gerade genau.

Joshua Rosenau vom NCSE schreibt bezüglich der Abbildungen im Lehrbuch von Raven & Johnson:

You'll note that, despite West's claim that this is "a version of Haeckel's drawings," they are actually quite different in their details. These are clearly redrawn photographs of actual embryos, and as such do not bear the taint of any errors Haeckel made, intentionally or otherwise.

Sie werden feststellen, dass sie, obwohl West behauptet, sie seien "eine Version von Haeckels Zeichnungen", in ihren Details tatsächlich ganz anders sind. Sie sind ganz klar nachgemalte Fotos von echten Embryos, und enthalten als solche keine Fehler, die Haeckel absichtlich oder versehentlich machte.

Weil ich nicht nachvollziehen kann, welche Details in Haeckels Zeichnungen falsch und in Raven & Johnson richtig sind, habe ich bei Rosenau nachgefragt, ob vielleicht der kürzere Schwanz beim menschlichen Embryo gemeint ist, aber mein um zwei Jahre verspäteter Kommentar wurde nicht beantwortet. Ich habe auch einen emeritierten Biologieprofessor deswegen angeschrieben. Seine Antwort, dass er nicht die Zeit habe, die Qualität der Bilder in den Lehrbüchern zu beurteilen, deutet darauf hin, dass sie nicht auf den ersten Blick als falsch zu erkennen sind.

Wie schon gezeigt, hat Haeckel mehrere Zeichnungen in unzulässiger Weise seinen Vorstellungen angepasst, aber die Embryonentafeln gehören nicht dazu, weil er sie ja von von Baer kopiert hat.

edit 16.1.2010: Die Embryonentafel stammt nicht von von Baer. Da war ich einem Fehler in Wikipedia aufgesessen.

Es wäre interessant zu wissen, auf welche Merkmale die Kreationisten ihre Überzeugung stützen, die Embryonentafeln seien betrügerisch. Da es sich um schematische Darstellungen handelt, kann man nicht bemängeln, dass alle Embryos die gleiche Größe haben. Auch die gleiche Biegung der Körper dürfte in Ordnung gehen, wenn man diese bei der Präparierung beliebig ändern kann.

Harun Yahya schreibt unter die Gegenüberstellung eines Haeckel-Bildes und eines fast identischen "akkuraten Bildes", dass große Teile von Organen bei Haeckel fehlen. Aber was man auf dem "akkuraten Bild", dessen winzige Beschriftung nicht lesbar ist, zusätzlich erkennen kann, ist wohl der Dottersack, der in Haeckels bezeihungsweise von Baers schematischen Zeichnungen weggelassen wurde.

Es läuft wohl darauf hinaus, dass die Zeichnungen nicht aussehen wie Fotos und deshalb von den Kreationisten für falsch gehalten werden. Für Jonathan Wells ist es am schlimmsten, dass die noch früheren Embryonalphasen weggelassen wurden, in denen sich die Arten stärker unterscheiden.

 

Zum Abschluss ein paar weitere Links. Nur der erste ist deutsch.

Wikipedia: Embryonenkontroverse

PZ Myers auf Talkorigins.org, 2003

Robert J. Richards' objektive Untersuchung (PDF)

Discovery Institute über Haeckel-Zeichnungen in Lehrbüchern

Discovery Institute, update 2008

Mit knapp 20 Minuten ist das Video ist diesmal etwas länger als gewöhnlich, und es enthält zudem eine Menge englischen Text. Da ich keine Zeit habe, eine Version mit Untertiteln anzufertigen, versuche ich es mit einer Inhaltsangabe.

Susan Savage-Rumbaugh beginnt mit einer Einführung: Bonobos sind die fröhlichsten Tiere der Welt. Ihre Lebensweise ist ein gut gehütetes Geheimnis, weil sie nur im Kongo leben und selten in Zoos zu sehen sind. Das liegt (leider nicht am Respekt gegenüber dieser uns ähnlichsten Tierart sondern) an ihrem Sexualverhalten, das dem menschlichen so ähnlich ist, dass die Vorführung im Zoo pornographisch wäre.

Die Bonobos leben in einer mitfühlenden Gesellschaft mit gleichen Rechten, und benutzen Sex zur Kommunikation und Konfliktlösung.

Man versucht gerne, den Menschen anhand einiger charakteristischer Merkmale zu definieren wie Sprache, Werkzeuggebrauch oder Mathematik. Aber wenn man sich die Menschen betrachtet, die früher in Tasmanien lebten, ohne Feuer und Steinwerkzeuge, und wohl auch ohne Musik, dann unterscheidet den Bonobo davon vor allem das dichtere Fell.

In Minute 3:10 wird gezeigt, dass der Bonobo besser aufrecht gehen kann als der Schimpanse. In 3:25 kommt zum Vergleich ein Australopithecus hinzu. Der Unterschied ist gering. Minute 4:42 zeigt, wie wildlebende Bonobos auf zwei Beinen gehen und dabei Äste in den Händen tragen. Sie können das auch über größere Entfernungen.

In den USA betreut Frau Savage-Rumbaugh eine Gruppe von acht Bonobos. Sie weist darauf hin, dass was wir im Video sehen nicht antrainiert oder Trick ist. Sie sagt in 5:35 zu Kanzi, dass sie Stöcke für das Lagerfeuer brauchen, und der Bonobo fängt an, welche zu sammeln und zu zerbrechen. Dann sagt sie ihm, sie hätte ein Feuerzeug un der Tasche, und er holt es raus und zündet das Lagerfeuer an. Er könnte wohl auch lernen, das ohne Feuerzeug zu tun, wenn er es bei jemand abgucken würde. Sie sagt ihm nach dem Barbecue, er solle Wasser aufs Feuer schütten, und er tut es.

Seine Schwester Austin fährt dann einen Golfwagen. Das Gaspedal kennt sie, aber die Lenkung wird ignoriert. Selbstverständlich erkennen Bonobos sich im Spiegel.

Die Bonobomutter Panbanisha pflegt das Fell ihres Kindes Nyota mit einer Schere. Als Nyota das nachzuahmen versucht, nimmt sie ihm fürsorglicherweise die Schere weg.

Ein Bonobo stellt sich ein Steinmesser her und schneidet damit einen Futterbehälter auf. Die dabei entstandenen Steinwerkzeuge sehen denen ähnlich, die unsere Vorfahren vor zweieinhalb Millionen Jahren benutzten.

Panbanisha war seit Tagen nicht im Wald und möchte raus. Sie nimmt ein Stück Kreide und malt das Zeichen für die Waldhütte auf den Boden, das sie von der Tastatur her kennt, mit der sie sich normalerweise verständlich macht. Sie malte auch schon Zeichen auf den Waldboden. Wenn ich den Text richtig verstehe, hat sie sich das Malen von Symbolen mit Kreide auf den Boden aber bei den Forschern abgeguckt. Die beste Art, Bonobos den Gebrauch von Sprache beizubringen, ist, diese Sprache in ihrer Gegenwart zu benutzen.

In 16:05 wird endlich der Titel "Spielende Tiere" verständlich. Ein Bonobo spielt Pac-Man.

Susan Savage-Rumbaugh vertritt in diesem Film die Meinung, dass der Unterschied zwischen Mensch und Bonobo mehr ein kultureller sei als ein biologischer.

Es gibt einige Begriffe, die in der Umgangssprache anders benutzt werden als in der Wissenschaft. "Theorie", "Energie", "Dimension" und "Information" gehören dazu. Sogar in verschiedenen Zweigen der Wissenschaft können solche Begriffe unterschiedlich definiert sein.

Im vorliegenden Beitrag stelle ich einige Definitionen von "Information" vor und betrachte, was sie für die Evolutionskritik bedeuten.

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Endogene Retroviren (ERV) sind RNA-Viren, die ihr Erbgut in eine Keimbahnzelle des Wirts eingebaut haben, so dass sie neben der Ansteckung auch die Vererbung innerhalb der Wirtstiere zur Verbreitung nutzen. Aufgrund der Größe des Genoms und des weitgehend zufällig gewählten Einfügeortes kann man sich sicher sein, dass wenn zwei Tierarten einen ERV desselben Typs an gleicher Position in der DNA haben, ein gemeinsamer Vorfahre mal den Provirus eingepflanzt bekam.

Äußerlich recht unterschiedliche Tiere, wie zum Beispiel Fledermäuse und Elefanten ähneln sich im Körperbau, was auf eine gemeinsame Abstammung hindeutet. Als Gegenargument dazu bekommt man zu hören, dass der Schöpfer gut funktionierende Baupläne mit Abwandlungen mehrfach verwendet hat. Da dieser Schöpfer allmächtig sein soll, hätte er Fledermäusen und Elefanten aber auch ganz unterschiedliche Knochen in die Arme und Füße packen können. Die Evolutionstheorie erklärt, warum die Knochen einander entsprechen, während der Schöpfer nicht nur omnipotent und omniscient ist sondern auch omniexplanatorisch.

Den Gedanken, dass funktionierende Einheiten bei verschiedenen Arten wiederverwendet werden, möchten die Kreationisten gerne auch auf endogene Retroviren anwenden, die in der DNA verschiedener Tierarten an übereinstimmenden Positionen sitzen. Deshalb ist es ihnen wichtig, auf deren nützliche Funktionen hinzuweisen. Bei näherem Hinsehen haben aber niemals vollständige ERVs einen Nutzen für den Wirt sondern bestenfalls ein Gen oder ein LTR davon. Die allermeisten ERVs im Erbgut sind völlig nutzlos und es gab sicher noch weit mehr von ihnen, die durch natürliche Selektion und durch genetische Drift entfernt wurden.

Die Phantasien mit den gutartigen ERVs werden so weit gesponnen, dass die Retroviren als Verteiler nützlicher Gene ausgeschwärmt sein sollen, die sie dann punktgenau bei anderen Arten eingefügt hätten. Erst durch den Sündenfall seien sie bösartig geworden. Das wäre zwar ein Erklärungsansatz dafür, dass man aus der Verteilung von endogenen Retroviren Stammbäume konstruieren kann, aber nicht dafür, dass man auch aus den Zerfallserscheinungen der inaktiven Proviren dieselben Stammbäume erhält.

Insbesondere die LTRs an beiden Enden des Provirus, die zum Zeitpunkt der Einfügung identisch sind, liefern besonders klare Informationen über die Verwandschaftsbeziehungen unterschiedlicher Tierarten, die orthologe ERVs tragen. Eine Stellungnahme von kreationistischer Seite ist mir dazu nicht bekannt.

Unter "Artikel ganz lesen" geht es weiter zur Liste der in meiner Abhandlung über ERV hier im Blog verwendeten Internetseiten und wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

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Außer dem einfachen Beweis gibt es andere Möglichkeiten, anhand von DNA Abstammungen zu ermitteln. Diese möchte ich kurz vorstellen, bevor ich mich mit Einwand 6 beschäftige:

"Die aus ERV ermittelten Stammbäume sind inkonsistent".

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Auf die Einwände der Kreationisten gegen den einfachen Beweis einzugehen, ist gar nicht so einfach, weil man sowohl das Weltbild der junge-Erde-Kreationisten (YEC) als auch Intelligent Design (ID) berücksichtigen muss. Intelligent Design müsste eigentlich gar nicht im Widerspruch mit der Abstammungslehre stehen, und Michael Behe akzeptiert sie wohl auch, aber andere Vertreter dieser Richtung bevorzugen die Vorstellung von Grundtypen und Mikroevolution und sind mit der Abstammung des Menschen von früheren Affenarten gar nicht einverstanden. Junge-Erde-Kreationisten nehmen die Bibel wörtlich, gehen also von 144 Stunden Schöpfung aus und berechnen das Alter der Welt anhand biblischer Stammbäume auf etwa 6000 Jahre.

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